Wettbewerb "Stalag 326 (VI K)"
Aufgabenstellung
Während des Zweiten Weltkriegs war das „Stalag 326 (VI K)“ eines der größten Kriegsgefangenenlager im nationalsozialistischen Deutschland. Auf dem Gelände soll eine Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung entstehen. Im Rahmen eines Realisierungswettbewerbs des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) waren der Neubau eines Eingangsgebäudes, die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Geländes sowie ein übergeordnetes Ausstellungskonzept zu entwickeln. Die besondere Herausforderung bestand darin, das Lager nicht nur als historischen Ort, sondern als Teil eines weit verzweigten Systems aus Verwaltung, Infrastruktur, Zwangsarbeit und gesellschaftlicher Beteiligung sichtbar zu machen.
Umsetzung
Gemeinsam mit JSWD Architekten und RMPSL Landschaftsarchitekten entwickelten wir das Grid als räumliche und narrative Grundstruktur des Entwurfs. Ausgehend vom Leitnarrativ „Das Lager wurde überall gemacht“ verbindet das Raster den historischen Ort mit dem weit verzweigten System aus Verwaltung, Infrastruktur, Zwangsarbeit und gesellschaftlicher Beteiligung – auch jenseits der Grenzen des Lagers. Im Verlauf des Rundgangs wird das Grid zunehmend fragmentiert, überlagert und aufgebrochen. Seine Brüche machen Leerstellen, Zeitschichten und vor allem: Handlungsspielräume sichtbar. Es entsteht eine Erzählung, die das Lager als menschengemachtes System und die Bedeutung individuellen Handelns innerhalb dieses Systems erfahrbar werden lässt.
Der Prolog im Neubau führt in das Leitnarrativ ein und macht mithilfe einer interaktiven Karte die europaweiten Verflechtungen des Lagersystems sichtbar. Von dort aus erschließen die Besuchenden die historischen Baracken, die selbst als wichtigste Exponate verstanden werden. In der Arrestbaracke rekonstruiert eine Lichtinszenierung die räumliche Situation der Zellen und verbindet sie mit Biografien der Gefangenen. Die Entlausungsbaracke thematisiert den entwürdigenden Aufnahmeprozess entlang des historischen Grundrisses und einer medialen Installation im ehemaligen Duschraum. Die Sozialwerksbaracke widmet sich der Nachgeschichte des Ortes: Sich überlagernde Raumschichten zeigen, wie aus einem Lager ein Ort der Fürsorge, der Polizeiausbildung und schließlich der Erinnerungsarbeit wurde.
Eine Mobile App begleitet den Rundgang vor, während und nach dem Besuch. Sie ergänzt die Ausstellung um Augmented-Reality-Anwendungen, macht die verschwundene Lagerstruktur im Freigelände sichtbar und verbindet Orte, Objekte und Biografien mit Forschungsdaten und einem digitalen Archiv. Anknüpfend an das Offene Archiv des Prolograums wird Erinnerung so als offener Prozess des Forschens und Weitererzählens erfahrbar.
Für den Realisierungswettbewerb wurden aus 330 internationalen Bewerbungen 15 interdisziplinäre Teams zur Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt. Unser Entwurf erzielte den mit 80.000 Euro dotierten 2. Preis. Der Auslober tritt mit den ersten drei Preisträgern in ein Vergabeverfahren ein.
Auftraggeber
Tamschick Media + Space, 2026
© Bilder: Tamschick Media + Space (Christoph Geiger), JSWD, RMPSL